Historie


Am 03.10.2010, dem Tag der Deutschen Einheit, wurde in Fulda nach 200 Jahren wieder eine Freimaurerloge eingerichtet. Im voll besetzten Audienzsaal des Schlosses Fasanerie vor den Toren Fuldas wurde vom damaligen Großmeister der Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland, Axel Pohlmann, das freimaurerische Licht eingebracht. Freimaurer aus Logen von Erfurt bis Kassel, Wetzlar, Wiesbaden und Aschaffenburg hatten die Initiative ergriffen, um interessierten Herren auch in Fulda und dem Fuldaer Land eine Loge zum Gespräch anbieten zu können. Diese Gründung hat sich bewährt, die Loge steht inzwischen durch eine wachsende Zahl von Mitgliedern, die aus der Region kommen und mit ihr vertraut sind, auf eigenen Beinen. Von Anbeginn an domiziliert die Loge als Gast im Schlossrestaurant "Die Fasanerie".

 

Der Gründungstag der Loge im Jahr 2010 war bewusst gewählt worden, da genau 200 Jahre zuvor in Fulda bereits eine Loge unter dem Namen "la Paix" eingerichtet worden war.

Bijou der Loge "la Paix" aus dem Jahr  1810

Sie war von der französischen Großloge legitimiert worden. Zu dieser Zeit gehörte Fulda zum Großherzogtum Frankfurt und hatte seit der Säkularisierung 1802, in der die Fürstbischöfe entmachtet worden waren, eine bewegte Geschichte erlebt. Von 1802 bis 1806 war Fulda dem Prinzen Wilhelm Friedrich von Oranien zugesprochen worden. Von 1806 bis 1810 hatte Napoleon Fulda als französisches Departement vereinnahmt. Man kann davon ausgehen, dass in Fulda schon früher, in der Epoche der Spätaufklärung, der Boden für eine Freimaurerloge bereitet war. In dieser Zeit hatte Fürstbischof Heinrich von Bibra – er regierte von 1759 bis 1788 – eine Staatsführung gestaltet, die Ideen der Aufklärung verpflichtet gewesen war. Der Fuldaer Historiker Dr. Berthold Jäger hat in einem Vortrag im September 2013 die Reformen Heinrich von Bibras, vor allem im Bildungsbereich, den Auffassungen des preußischen Königs Friedrich II. und des österreichischen Kaisers Joseph II. gleichgestellt.


Es nimmt deshalb nicht Wunder, dass zu den sieben Stiftern der 1810 gegründeten Loge auch ein Heinrich Anton von Bibra gehörte, ein Verwandter des Fürstbischofs. In einem überlieferten Mitgliederverzeichnis aus dem Jahr 1812 wird er als Meister vom Stuhl ausgewiesen. Ferner gehörte Clemens Wenzeslaus Coudray, der von Wilhelm Friedrich von Oranien für Fulda als Baurat angeworben worden war, der Loge als Stifter an. Coudray war bereits einige Jahre zuvor bei seinem Aufenthalt in Frankreich Freimaurer geworden und ist unter anderem durch das von ihm errichtete Wilhelms–Hospital noch immer in Fulda präsent, ein Gebäude, das heute als Musikschule Fulda genutzt wird. Coudray wurde später nach Weimar berufen, wo bedeutende Bauwerke von ihm zeugen. Die Würdigung der in dieser ersten Loge in Fulda versammelten Persönlichkeiten und die Geschichte der Loge harren einer wissenschaftlich-historischen Aufarbeitung. Über das Schicksal der Loge nach 1812 liegen bislang keine verlässlichen Quellen vor.

Bijou der Loge "zum Frieden - la Paix"


Den Namen "la Paix" der ersten Freimaurerloge in Fulda griffen die Gründungsmitglieder der im Jahr 2010 gegründeten Loge auf und nannten die neue Loge "zum Frieden – la Paix", was in Fulda nach Überwindung des Kalten Kriegs und des bedrohlichen Fulda Gaps geboten schien.