25 Jahre Mauerfall


12.10.2014

Brüder aus Ost und West gedenken des Friedens und der deutsch-amerikanischen Freundschaft

An wenigen Stellen an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze standen sich die Truppen von Nato und Warschauer Pakt so direkt gegenüber wie am Point Alpha bei Fulda. An diesem Punkt, an dem sich einst schwere Waffen scheinbar unversöhnlich gegenüberstanden, trafen sich die Brüder nun im Zeichen des Friedens. Zu diesem historischen Punkt lud die Fuldaer Loge "zum Frieden - la Paix" ein, um gemeinsam zu erinnern und zurückzublicken, auf einen nicht selbstverständlichen Frieden.

 

Meister vom Stuhl Max Ostrowski bei der Eröffnung der Veranstaltung, Foto: Loge
Meister vom Stuhl Max Ostrowski bei der Eröffnung der Veranstaltung, Foto: Loge

An einem nebeligen Sonntagmorgen am 12.10.2014 treffen sich die ersten Brüder aus Fulda und Aschaffenburg zur Vorbereitung der Veranstaltung auf dem Parkplatz des Point Alpha. Hier, mitten im scheinbaren Nirgendwo zwischen dem hessischen Rasdorf und dem thüringischen Geisa lag einst ein "Hot Spot" – einer der heißesten Konfliktpunkte im Kalten Krieg. Es ist die sogenannte Fulda Gap, jene strategische Schneise an dem die Nato Truppen jederzeit mit dem Durchmarsch russischer Truppen rechnen mussten. In weniger als 48 Stunden hätten russische Panzer im Rhein-Main Gebiet einfallen können. Durch die schweren Nebelschwaden ragen zwei Beobachtungstürme wie mahnende Säulen und man kann erahnen welche Spannung hier gelegen haben muss. Doch der Nebel lichtet sich und je heller der Tag anbricht umso zahlreicher kommen Brüder und Besucher an. Über 50 Teilnehmer sind es geworden, die sich gegen 10.30 Uhr in der Konferenzhalle auf dem ehemaligen amerikanischen Beobachtungspunkt versammeln und der Meister vom Stuhl Max Ostrowski eröffnet die Veranstaltung.

 

Auch heute brennen auf der Bühne drei Lichter - sie sind gewidmet der Menschheit, der Freiheit und dem Frieden - die Zeichen unter denen die Veranstaltung steht. Max Ostrowski begrüßt die Teilnehmer, unter ihnen der Großmeister der ACGL James Barrett und der zugeordnete Distriktsmeister Hessen-Thüringen Michael Volkwein. 25 Jahre ist der Mauerfall her, 5 Jahre sind vergangen seit die Loge in Erfolg gegründet wurde und 4 Jahre seit Gründung der Loge in Fulda - fast 200 Jahre sind seit dem Verbot der letzten Freimaurerloge in Fulda 1816. Der Begrüßung folgt eine Gesprächsrunde in der Brüder alle ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit und an der Grenze teilen. Moderiert von Eckart Wörner berichtet Bruder Juan A. Goytia von seiner Zeit als US Soldat der Repair Division und wie er seine Aufenthalte am Point Alpha erlebt hat. Es sind kurze Momentaufnahmen eines Soldaten der aus Stuttgart regelmäßig an die Grenze kam, und doch wird deutlich, wie groß die Spannung während der Einsetze gewesen sein muss. Den amerikanischen Eindrücken folgt das Grußwort von Birgit Konrad, Organisatorin der Gedenkstätte. Sie berichtet über die Entwicklung von Point Alpha seit dem Mauerfall, von einem verlassenen Militärstützpunkt hin zu einer aktiven Gedenkstätte, Stiftung und Akademie.

 

Es folgen Erfahrungsberichte deutscher Brüder - Jochen Diegelmann berichtet von seiner Zeit beim Bundesgrenzschutz und wie er als Mitglied einer technischen Einheit für die Instanthaltung der Grenze verantwortlich war. Wolfgang berichtet als aktiver Bundespolizist über die Hintergründe des Bundesgrenzschutzes und die Aufgabenverteilung. Während die Bundeswehr allein für die Verteidigung der Grenzen zuständig war, widmete sich der BGS der Sicherheit der Grenzen und somit der inneren Sicherheit Westdeutschlands. Edwin Brum berichtet eindrucksvoll von seiner Zeit als Bundeswehrsoldat während des kalten Krieges am Stützpunkt Wildflecken. An diesen geistigen Bildern des Stützpunkts mit Blick zur Grenze verdeutlicht sich die Atmosphäre der Angst der damaligen Zeit - während US Truppen zu einem Zwischenfall hätten ausrücken dürfen, wäre Bundeswehrsoldaten allein das Gewehr zum Selbstschutz geblieben. Man fühlte sich als Kanonenfutter und bei jedem größeren, nächtlichen Knall wurde die Angst eines offenen Konflikts deutlich. Edwin Brum berichtet aber auch von Truppenreisen nach Lourdes, hier, fern der Grenze und der offenen Auseinandersetzung werden zwei Dinge deutlich: Friede muss zu aller erst in Kopf und Herz bestehen und Frieden muss erarbeitet werden.

 

Foto: Loge
Foto: Loge

Dass es auf der anderen Seite nicht viel besser war, berichtet Tobias Pfaff aus Erfurt, er schildert seine Zeit bei einem NVA Nachrichtentrupp. Selbst nicht Grenzer, war er doch zum Dienst gezwungen, denn nur mindestens 3 Jahre Dienst an der Waffe eröffneten die Chance auf Bildung und einen Studienplatz. Er berichtet von den Reglements der Grenztruppen und deren Überwachung, von "Fluchtverhinderungsbeuteln" und ausgeklügelten Systemen zur Überwachung der Soldaten – deutlicher wird die Menschenverachtung des DDR Systems nur noch an den Stacheldrähten, Hundelaufbahnen und Bunkeranlagen etwa 150 Meter entfernt. Zuletzt berichtet der Meister vom Stuhl der Loge Kassel und zugeordneter Disktriktsmeister Michael Volkwein von seiner Zeit als Bundeswehrsoldat am Luftwaffenstandort in Geilenkirchen. Erst jetzt wird den Besuchern wieder deutlich wie nah am Abgrund die Welt damals wirklich stand: Zu jedem Zeitpunkt waren auf dem Stützpunkt des Flugkörpergeschwaders amerikanische Atomgefechtsköpfe auf deutschen Pershing Trägersystemen angriffsbereit aufgebaut um im Falle einen "Quick Reaction Alert" der Nato innerhalb von Minuten Ziele des Warschauer Pakt anzugreifen. Max Ostrowski schließt diesen ersten Teil der Veranstaltung und mit den noch immer lebhaften Eindrücken gehen die Besucher über die Gedenkstätte. Die bedrohliche Atmosphäre und omnipräsente Angst des Einmarschs spiegelt sich wider an den Ausstellungsstücken – Panzer, Truppentransporter, Helikopter – dazu Grenzanlagen, Schlagbäume, Demarkationslinien und Befestigungen. Oben auf dem Turm des Observation Point angekommen und auf die thüringische Landschaft blickend hallt die Frage nach - Warum diese Mauer, warum das alles?

 

Gegen 13.00 Uhr versammeln sich die Brüder und Besucher in den Räumen der Point Alpha Akademie in Geisa zu einem gemeinsamen Mittagessen und genießen den herrlichen und sonnigen Ausblick auf die Thüringische Landschaft. Um 14.30 Uhr geht es zum zweiten Teil der Arbeit in den Vortragsraum. Max Ostrowski eröffnet und Michael Volkwein überbringt das Grußwort des Großmeisters der AFAM. Für die amerikanische Seite ACGL hält Großmeister James Barrett das Grußwort. Er spricht über die ganz persönlichen Herausforderungen der Freimaurerei als Organisation und auch individueller Ebene. Die folgende Zeichnung hält Eckard Wörner und diese steht wie die gesamte Veranstaltung der ganze Tag ganz im Zeichen des Friedens. Er der Frage nach "Gibt es den ewigen Frieden?" und geht dabei ebenso auf historische Dimensionen ein wie hochaktuelle Themen der erneuten Bedrohung des Friedens durch den Islamischen Staat und Russland. Spätestens durch diese Zeichnung an diesem Ort wird klar, Frieden ist nicht selbstverständlich und war es nie in der Geschichte, wie uns die Abhandlungen Kants über den Frieden lehren. Damit der Friede aber nicht erst mit dem Friedhof entsteht wird ebenso deutlich, dass der Krieg nicht die Antwort sein kann. Mag man auch festhalten, dass ewiger Frieden ein Traum ist und Krieg scheinbar unvermeidlich, so ist es doch Pflicht und Verantwortung des Menschen nach Frieden zu streben und auch in der Ausweglosigkeit den Frieden zu suchen. Denn auch nach 50 Jahren der Schreckensherrschaft, die Schwester und Brüder im Osten gefangen hielt, brach der eiserne Vorhang unter seinem eigenen Gewicht zusammen und ein Traum wurde wahr: "Tear down this wall!"

 

Zu den anwesenden Logen gehörten:

  • Post Nubila Phoebus, Aschaffenburg
  • Alpha Ori, Erfurt
  • Türkey Lodge ACGL, Frankfurt
  • Ludwig zu den 3 Sternen, Friedberg
  • zum Frieden – la Paix, Fulda
  • Friends on the Lahn ACGL, Giessen
  • Goethe zur Bruderliebe, Kassel
  • Georg Liberalitas, Meiningen
  • Bruderliebe am Main, Schweinfurt
  • Mystic Tie ACGL, Schweinfurt

Sowie die Frauenlogen:

  • Vier Elemente im Licht, Darmstadt
  • Stufen zum Licht, Göttingen